28. April 2008

Schneckendame ging spazieren

Da stand sie also. Feines schwarzes Kostüm. Weniger dezente Duftwolke. Schwarze Seidenstrümpfe und schwarze Lackhighheels. Da stand sie also so neben mir und schaute ungeduldig auf ihre teure Uhr. Ihr MoulinRouge Nr6 roter Lippenstift glänzte perfekt und ihre Haare schlugen leise Wellen.
Ich stand neben ihr. Nass bis auf die Haut.Die Jeans hatte schon bessere Tage gesehen. Leise tropften Regentropfen von meiner Jacke auf meine schmutzigen Schuhe. Tick. Tock. Pitsch. Pitsch. Tropf. Hunger hatte ich und mein Makeup war bereits seit Stunden verblasst.
Wir standen also so da. Sie und ich. Gemeinsam sahen wir einer kleinen Schnecke beim kriechen zu. Hübsches oranges Häuschen,hatte sie, die kleine Schneckendame.
Es gab nur einen Unterschied. Also, zwischen der Dame und mir. Sie trat angeekelt auf die Schnecke und ich stand nur da.

Kommentare:

  1. Oh man, Du hast aber momentan auch mit fiesen Menschen zu tun! Bei sowas kann ich soooo sauer werden!

    Als ich klein war, sind die Nachbarsjungs immer mit ihren Fahrrädern über Schnecken gefahren und fanden das ganz lustig - denen hab ich gehörig meine Meinung gesagt, obwohl ich erst 5 war :)

    Ich finde immer, den Charakter eines Menschen erkennt man daran, wie er mit Tieren umgeht.

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  2. Uäääh neeee. Mit Absicht? Pfui. Ich krieg schon einen zuviel, wenn ich unabsichtlich mal drauftrete. Und es muss nicht mal knacken. So á la Weinbergschnecke. Wäääh...

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  3. Bäääh, das war doch garnicht nötig. Die meisten Tiere haben schon genug Schwierigkeiten, eine Straße auch nur zu überqueren. Wieso tut die sowas, obendrein irgendwo draußen, wo sie die Schnecke sowieso nie wiedersehen wird?

    @Christine: In der Hinsicht hast du auf jeden Fall recht. Ich erinnere mich, irgendwo mal etwas von einem Hund von dir gelesen zu haben... oder zumindest ein Haustier. Kennst du das auch, daß man einer Person nach den ersten 5 Minuten gleich anmerkt, ob er bereits seit dem Kindesalter mit einer Katze oder einem Hund umgegangen ist oder nicht?

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  4. Kleine Anekdote für Martink und Christine:
    Ich bin Medizinstudentin. Unvergesslich in Erinnerung geblieben ist mir ein Satz einer Kommilitonin zwei Semester unter mir, die ihren Traumberuf "Ärztin" folgendermaßen begründete: "Eigentlich wollte ich Veterinärmedizin studieren - aber ich kann keine Tiere leiden sehen."

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  5. Naledi: Sind leidende Menschen, darunter sicherlich auch niedliche Kinder, nicht ähnlich schlimm wie Tiere? *grübel*

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  6. @ martink
    Ja, das kenne ich nur zu gut, das Gefühl :) Und noch besser das Gefühl, wenn man jemandem leider anmerkt, kein Tier gehabt zu haben... Wobei - manchmal ist das dann vielleicht auch besser so gewesen - für die Tierwelt ;)

    @ Naledi
    Ich studier Tiermedizin ;) Natürlich ist es schwer, ein Tier (oder ein Wesen überhaupt, wie auch schon martink sagt) leiden zu sehen, aber: ich kann ihnen dann helfen und Leiden ersparen, sie erlösen. Ich bin jedesmal wieder traurig, wenn ich sehe, wie ein Tier stirbt oder eingeschläfert wird, aber dann denke ich daran, was dem Tier dadurch erspart bleibt.
    Wie ich schon sagte, ist meine Tante vor kurzer Zeit gestorben und in ihrem Fall wurde mir mal wieder deutlich, was für ein Segen es ist, Leiden auch ein Ende setzen zu können (wie bei den Tieren). Ihnen bleibt dadurch viel erspart, was Menschen anderen Menschen leider nicht ersparen - endloses Leiden, Schmerzen, Sterben wollen, aber nicht zu dürfen.

    Ich denke nicht, daß das ein Argument gegen die VetMed ist. Eher eins gegen Humanmedizin. Denn Menschen leiden genauso wie Tiere. Und im Falle von Kindern können sie sich manchmal noch weniger dagegen wehren wie einige Tiere.

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  7. wuäh. hoffentlich bekommt die den schneckenschleim nie wieder aus der sohle ihrer schuhe. drecksluder.

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  8. das ist nicht fair ._. die kleine schneckendame hatte sicherlich Familie ..

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  9. "Heute wird unter Zivilcourage das Auftreten gegen die herrschende Meinung verstanden, mit dem der Einzelne, ohne Rücksicht auf sich selbst, soziale Werte oder die Werte der Allgemeinheit vertritt, von denen er selbst überzeugt ist. Zivilcourage bedeutet sichtbaren Widerstand aus Überzeugung und Maxime."

    Man (du) hättest ja wenigstens was sagen können.

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  10. wo ist der unterschied zu einer Spinne oder weniger schönen Tieren wie Insekten, Hausschwein und Rind die wir am Fliesband töten.

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  11. Vor Spinnen ekeln sich die meisten Menschen (aus welchen Gründen nun immer) und Rinder, Schweine etc. werden halt doch lieber gegessen als Spinnen...

    Man könnte da jetzt philosophisch einsteigen, von wegen "Zählt nicht jedes Leben gleich viel, ob groß oder klein" usw., aber ich denke, daß das hier nicht unbedingt der richtige Platz für ist ;)

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  12. Das meiste Gesocks in der Wohnung versuche ich mit möglichst wenig Körperkontakt (buah, Spinnen oder Motten anfassen! Schon der Gedanke sorgt für ne Gänsehaut!) nach draußen zu befördern.

    Nutztiere sind halt zum Essen da. Das ist in der Natur schon immer so gewesen und meiner Ansicht nach nicht kritisierbar. Menschen anderer Meinung dürfen sich ruhig Vegetarier nennen und mir meine Meinung lassen. :)

    Aber bei Mücken oder Flöhen würde ich ne Ausnahme machen ohne sie essen zu wollen - ich muß mir ja nicht gefallen lassen, selbst gefressen zu werden. Grr!

    Oh, und vor der Insektenwelt ekelt sich Mensch instinktiv.. überdurchschnittlich viele auf einen Haufen deuten häufig auf etwas ungesundes für den Menschen hin - und für etwas positives waren Insekten für den Steinzeitmenschen schon selten zu gebrauchen. Oder?

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  13. wollt nur daran erinnern das wir manchmal mit zweierlei maß messen.

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  14. @martink
    oh doch vor allem an der art und menge an nutztieren die wir schlachten.

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