17. Februar 2010

Kältetod

"He, kleine Ameise, bleib mal kurz stehen. Es ist doch viel,viel zu kalt für dich. Da draußen. Und rutschig ist es auch noch. He, kleine Ameise. Lass uns doch tauschen. Du kannst Mia Niemand sein und ich werde zur kleinen Ameise. Ich verkrieche mich dann irgendwo in der Erde. Tief unten. Kuschel mich in eine kleine Höhle und schlafe bis der Frühling endlich kommt. He, kleine Ameise. Wie findest du meine Idee? Du kannst in einer hübschen, beheizten Wohnung wohnen. Kannst für mich arbeiten gehen und viel Spaß haben. Du kannst meine Freunde treffen und in einem warmen Bett schlafen.Du kannst baden gehen, wenn du magst und du kannst dir leckere Sachen kochen. He, kleine Ameise. Warte doch mal auf mich. Einen Moment nur." Die kleine Ameise trippelte weiter. Leise. Langsam. " He. Warum bleibst du nicht einfach eine Sekunde stehen? Ich will dir doch nur einen kleinen Vorschlag machen. Ich tue dir nichts. Würde ich nie wagen. Ehrlich." Die kleine Ameise trippelte weiter. Leise. An mir vorbei. " Das ist nicht nett von dir. Du kannst mir doch eine kleine Sekunde schenken. Ich würde dir gerne helfen. Irgendwie. Du kannst dich auf mein Sofa kuscheln und mit meinen Freunden ausgehen. Du kannst laute Musik hören und dich in meiner Kleidung verstecken. Ich habe auch hübsche Schuhe und Wärmflaschen. Drei, glaube ich. Die würden dir gehören. Bleib doch bitte stehen. Bitte." Die kleine Ameise trippelte weiter. Drehte sich trippelnd um. "He, warum bleibst du nicht einfach mal stehen? Nur eine Sekunde...ich nehme dich auf die Hand und wärme dich." Die kleine Ameise sah mich an. Eine Sekunde lang. Trippelte weiter. Fast wurde ich ärgerlich. Da bleib sie stehen. Eine Sekunde lang. " Mia, liebe Mia. Ich würde gerne mit dir tauschen. Sehr gerne. Ich hätte gerne dein hübsches Leben. Warm, hell und freundlich. Würde gerne deine Wärme spüren und den ganzen Tag lachen. Aber wenn ich länger als eine Sekunde stehen bleibe, dann friere ich langsam ein. Ich bin zu klein, für diese bittere Kälte. Ich schaffe es nicht. Verstehst du das Mia?" Erschrocken sah ich sie an. "He, kleine Ameise, krabbel schnell auf meine Hand. Ich wärme dich. Los." Die Ameise schüttelte langsam den Kopf. "Zu spät Mia, kleine Mia. Mein Körper ist schon gefroren. Aber ich danke dir für diesen Moment. Danke Mia, meine Mia."

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