22. März 2010

48- 36= 12

Ich habe abgenommen.An Gewicht. Von Kleidergröße 48 auf 36. Ich bin nicht schlauer, nicht stärker, nicht lustiger, nicht geistreicher, nicht mutiger, nicht selbstbewusster.Lediglich dünner. Dennoch interessiert das Thema jeden. Ich bin immer noch Mia. Komischerweise haben viele Leute das Gefühl, dass ich eine völlig neue Person bin. Bin ich aber nicht. Mein Herz ist nicht kleiner geworden.
Je dünner ich wurde, desto häufiger wurde ich angesprochen. Desto arroganter wurde ich eingestuft. Krankheiten, Magersüchte, Drogen, Diätpillen- alles wurde vermutet. Plötzlich wendete sich der Kampf gegen die Kilos- in einen Kampf gegen die aufdringlichen Menschen. Tuscheln, Neid, seltsame Blicke. Rechtfertigungen. Jeder Bissen wurde beäugt.Wenn sie mich nicht ansprachen, fragten sie Freunde und meine Familie.Ich bin nicht glücklicher, nicht fröhlicher, nicht offener, nicht zickiger, nicht netter. Ich bin nur zerbrechlicher. Worte, Blicke und Aussagen können mich schneller treffen. Viel schneller.
Ich will das Dünn sein nicht verurteilen. Ich bin glücklich damit. Fühle mich freier. Irgendwie. Aber ich habe etwas dagegen, dass es immer in den Himmel gehoben wird. Es muss nicht jeder abnehmen.Es ist keine geheime Glücksformel und auch kein Wundermittel.Man wird dadurch nicht glücklicher.Mittlerweile muss ich lernen wieder zu essen. Nicht ständig Salat, Gemüse und Obst zu kaufen.Ich muss Kalorientabellen vergessen und Fettreduzierte Dinge im Regal lassen. Ich muss mal wieder Dinge essen die glücklich machen. Eine Zeit lang habe ich das verlernt, fast vergessen. Ich war unglücklich. Ich war am Boden und oft verletzt. Heute will ich wieder etwas zunehmen. Etwas mehr Mia sein.
Mein Herz wird dadurch nicht größer, aber ich fühle mich damit glücklicher.

(Ich bekomme häufig Mails mit den Fragen wie ich es geschafft habe abzunehmen, wie ich mein Gewicht halte etc. Ich möchte hier keine Diättipps und keine Anregungen geben.
Falls jemand gezielte Fragen hat, mailt mir: mianiemand@googlemail.com Ansonsten seit einfach glücklich und liebt euch. Einfach so. Das macht vieles einfacher. Und versucht nicht so streng mit euch und anderen Leuten zu sein.)

21. März 2010

Leibwächter


Ich habe einen Schutzengel. Einen echt guten. 
Früher habe ich immer behauptet, dass meine Tante Mieze mein Schutzengel ist. Ich habe sie immer vergöttert. Sie war so elegant. Und damenhaft. Immer im Kleid, gern mit Hut, niemals ohne Parfüm.Sie starb recht früh. Meine Oma erzählte mir dann immer, dass sie nun gut auf mich aufpasst. Als ich die Treppe hinunter fiel. Beispielsweise. Oder als der fiese Klaus mich verprügelt hat. 
Allerdings, bekam ich irgendwann die ersten Zweifel. Tante Mieze war eine elegante Dame. Mal hier mal dort. Niemals länger irgendwo. Sie wechselte ihre Orte und Umgebung wie andere ihre Unterhosen. Sagt man ja so. Wie soll Tante Mieze es immer in meiner Nähe aushalten? Nein. Unmöglich. Tante Mieze passt bestimmt ab und zu mal auf mich auf- aber als dauerhafter Schutzengel ist sie untauglich. 
Tante Finchen. Eine verdammt nette, sympathische Frau. Nicht so elegant wie Tante Miete, dafür umso herzlicher und liebenswürdiger. Sie war recht klein. Und so zerbrechlich. Fast niedlich. Wenn man eine ältere Dame so nennen darf. Ja, sie wäre ein toller Schutzengel. Bestimmt. Und so war sie bestimmt an meiner Seite,    als ich in den eiskalten Ententeich fiel. Oder als ich mich im Wald verlaufen habe. 
Allerdings, bekam ich irgendwann wieder Zweifel. Tante Finchen war eine gesellige Dame. Sie unterhielt sich wahnsinnig gern. Lachte immer und überall. Kannte alle Leute in der Straße. Plauderte mal hier, mal dort. Tante Finchen hat bestimmt mal ein wachsames Auge auf mich geworfen, aber als dauerhafter Schutzengel? Auch untauglich.
Wer passt denn nun auf mich auf? Die letzten Jahre vielleicht meine Oma. Oder mein Opa. Allerdings sah er nicht sonderlich gut. Ihm würde bestimmt das ein oder andere entgehen.
Ehrlich gesagt, ich weiß nicht wer seine Hand schützend aufhält und mich aus allen misslichen Lagen rettet. Allerdings macht derjenige seine Sache gut. Ziemlich gut. Ja, echt wahr. 
Lieber Schutzengel, ich bin echt froh, dass du da bist. Aber ich verspreche dir auch, dass ich demnächst etwas besser auf mich aufpasse. Ich rühre keinen Möhrenkuchen (mit versteckten Nüssen) mehr an. Ich trinke  immer genug, esse vernünftig, kletter nicht mehr auf komische Bäume und laufe nachts nicht mehr durch seltsame Straßen. Du brauchst ja auch mal etwas Freizeit. Ja. Gönne ich dir echt.
Lieben Gruß
Deine Mieze.

P.S: Ich fände es dennoch nett, wenn du nicht zu weit weg gehst. Also nur so zur Sicherheit. Und so.

17. März 2010

Fräulein Anna Mittel

Da lebt eine junge Frau in der Mitte der Weisenstraße. Sie ist mittelgroß, mittelhübsch, mittellaut, mittelbeliebt. Kurzum: Sie ist unauffällig. Sie ist einfach so da. Irgendwie. Sie fällt niemanden auf. Sie kann nicht schreien. Tanzen kann sie auch nicht. Sie kann nicht singen und nicht malen. Eigentlich ist sie überhaupt nicht kreativ. Sie hat nicht viele Freunde. Eigentlich keine. Aber sie hat eine Katze. Eine hübsche. Echt wahr.
Die junge Frau ist schüchtern. Nicht mittel- sondern sehr. Sie traut sich nicht einmal eine Bedienung im Cafe ,gegenüber ,anzusprechen. Daher geht sie nicht ins Cafe. Sie geht auch nicht in die Stadt. Auch nicht ins Kino. Sie geht nie aus. Nur zur Arbeit und zum Einkaufen. Dann wieder nach Hause. Dann geht sie immer etwas schneller.Um wieder schnell in der Wohnung zu sein. Da fühlt sie sich sicher. Da trinkt sie eine Fanta, schaut etwas im Fernsehen, schaut aus dem Fenster, isst ein Brot mit Gouda und dazu ein Gürkchen. Manchmal zwei. Wenn sie in Festtagslaune ist.
Die junge Frau ist nicht unglücklich. Aber glücklich ist sie auch nicht.Sie ist einfach so da. Tag ein und Tag aus. Geht ins Büro. Tippt irgendwelche Sachen ab. Geht nach Hause. Isst ein Brot und trinkt dazu Fanta. Dann zieht sie ihren Pyjama an. Denn himmelblau gestreiften. Zieht die Vorhänge zu und geht ins Bett. Jeden Tag. Auch am Wochenende. Am Wochenende bleibt sie manchmal eine Stunde länger im Bett. Dann steht sie erst um 8.00Uhr auf. Setzt sich vors Fenster, schaut den Leuten draußen zu, spielt mit ihrer Katze, geht schnell in den Supermarkt um danach Fernsehen zu schauen. Danach isst sie ein Brot und zieht ihren Pyjama an. Denn violetten. Weil ja Wochenende ist. Dann geht sie ins Bett. Langweilig ist ihr nicht. Sie kennt es ja nicht anders.
Mir war die junge Frau immer egal. Sie war mir zu unauffällig. Selbst ihre Haare waren mittelblond. Ihre Kleidung war meistens grau und ihr Gesicht immer etwas fahl. Manchmal wenn sie so an mir vorbei huschte, hätte ich sie gern geschüttelt, dass wenigstens ihr Gesicht die Farbe wechselte.
Eines Tages sollte es anders kommen. "Hallo, ich bin Anna." sagte sie sehr schüchtern.Sie lächelte. Etwas schief. Schnaufte. Leise. " Ich bin die Mia." "Ich habe die schon oft gesehen. Du gehst immer durch meine Straße. Ich wohne hier. Da. Da vorne. Tut mir leid, dass ich dich einfach so anspreche. Aber ich sehe dich jede Tag. Und du wirkst nett. Irgendwie." Sie lächelte noch schiefer. Plötzlich wurde ich mittellaut. Und etwas kleiner. Mein Gesicht wechselte die Farbe. Und die junge Frau- war mir plötzlich nicht mehr egal. Wir tranken eine Fanta, im Cafe gegenüber. Ich bestellte. Sie schaute zu. Sie redete, mittellaut. Kicherte. Lauter. Ich erzählte. Sie hörte zu. Aufmerksam. Sie war nett. Richtig nett.Und gar nicht mehr so richtig mittelmäßig.

Ich glaube, in jeder Stadt gibt es eine Straße, in der eine junge Frau wohnt. Man muss sie nur entdecken.

16. März 2010

Retter

Ich bin ganz klein. Klein aber glücklich. Und stark. Willensstark. Oder so.
Nein, eher nicht.
Ich bin ein einfaches Mädchen. Nichts weiter.
In letzter Zeit mit zu vielen Problemen. Voller Selbstzweifeln gespickt wie ein zarter Rehrücken. Im Ofen. Im heißen Ofen. Unschön. Für einen zarten Rehrücken. Kann man sich ja vorstellen. Und während ich warte, dass mir jemand die Ofentür öffnet, prasseln weitere Dinge auf mich ein.
In letzter Zeit fühlte ich mich häufig schlecht. Details sind dabei unwichtig. Ich war hungrig nach Leben. Ja. Gefangen in einem Spinnennetz. Mittendrin. Im klebrigen Netz. Unschön für eine kleine Mieze. Kannst du dir vielleicht vorstellen. Und während ich warte, dass mich jemand aus dem Netz befreit, bleiben weitere Dinge an mir haften und manche Gedanken zerren sich regelrecht fest. Befreien- unmöglich.
Manchmal bleibt mir die Luft weg. Atemnot und wirkliche Panik. Ich will nur Luft schnappen und schaffe es nicht.Wie ein kleiner Goldfisch im Windkanal. Ohne Wasser. Sehr unschön. Kannst du dir das vorstellen? Und während ich warte, dass mich jemand ins kalte Wasser schmeißt, scheint mir die Sonne ins Gesicht. Einfach so.
Manchmal verstecke ich mich. Vor der Sonne.
Aber du nimmst dann meine Hand, ziehst mich ins kühle Wasser, befreist mich aus allen Netzen und öffnest leise die Ofentür. Dann ziehst du mich in die Sonne und nimmst mich in den Arm. Fest. In den Arm.Rettest mich. Immer und immer wieder. Ich will dir dafür danken. So oft. Doch mir fehlen die Worte. Hübsche Worte sind oftmals rar. Kostbar wie das erste Gänseblümchen. Ich stottere dann und gerate ins stolpern. Du nimmst mich dann nur noch fester in den Arm. Flüsterst mir leise Dinge ins Ohr und streichst über mein Haar.
Ich bin ganz klein. Klein aber voller Liebe. Und unendlich dankbar für jeden einzelnen Moment. Ich muss es dir mal sagen, irgendwann. Wenn ich die hübschen Worte dazu habe und nicht mehr stottere. Dann halte ich dich ganz fest und flüstere es dir leise, ganz leise ins Ohr. Irgendwann. Ja.

15. März 2010

Sonnendate

Tschüß, ihr dicken Schlafanzugshosen.
ByeBye, Kniestrümpfe.
Machts gut ihr doppeltgemoppelten Shirts.
Für mich beginnt heute der Frühling und nun kommen die kleinen Shirts, Shorts, Strümpfchen,Höschen, und Nachthemdchen aus dem Schrank.
Tschö, ihr kuschelwarmen, öden Sachen.
Hallo, ihr klitzekleinen, gehauchten Stofffetzen.
Ich fange mal mit dem Frühling an. Irgendjemand muss ja mal den Anfang wagen.
Ziemlich mutig, was? Ja, vielleicht sogar lebensmüde. Aber was mache ich nicht alles um die Sonne hervor zu locken.
Hallo, Sonne, Ich bin es Mia. Willst du mich mal kennen lernen?Bitte?!

Falls ich bei dem Vorhaben umkomme, tragt mich vor die nächste Heizung und wickelt mich in dicke Decken und in einen dicken Schal. Ich taue schon wieder auf. Ja.

6. März 2010

Ich und du

Es kommt schon vor, da freue ich mich wie ein kleines Kind. Ich könnte kichern. Hihi. Pausenlos. Ich könnte hüpfen.Boing Boing.Ohne Pause. Und singen könnte ich auch. Ja. Ich hole gleich mein Herz vom Bahnhof ab. Allein der Gedanke lässt mich lächeln. Mein Samstag wird sehr glücklich. Und bei euch? Was macht euren Samstag so wertvoll und unvergesslich?

1. März 2010

Pipi Niemand.

Hier kann ich es ja verraten. Ich habe ein Problem. Echt wahr. Als ich fünf Jahre alt war, befand ich mich in einer ziemlich unglücklichen Lage. Ich habe mich , aus Versehen, auf dem Klo meiner damaligen besten Freundin eingeschlossen. Fatal: denn ich konnte mich allein nicht mehr befreien. Ich glaube, ich habe ein wenig geheult und der Vater meiner Freundin hat dann die Tür von außen irgendwie geöffnet. Nach gefühlten, 10Std. (Ja, als Kind kommen einen Minuten oftmals wie Stunden vor.)
Mit 15Jahren befand ich mich auf einer ziemlich coolen Party mit recht fremden Leuten. Irgendwann verschwand ich auch dort aufs Klo. Schwupidiwupp drehte ich den Schlüssel um und betrachtete erstmal in Ruhe die Schränke und die Shampooflaschen. Ein entkommen war leider nicht möglich- wie ich kurze Zeit später bemerkte. Irgendwie hatte sich wohl der Schlüssel verhakt. Ich konnte die verdammte Tür nicht öffnen. Überhaupt nicht. Nach einigen Minuten klopfte ich zaghaft und bat um Hilfe. Glaubt mir, mit 15Jahren ist das ein kleiner bis mittelgroßer Weltuntergang. Leider wurde das Elend noch schlimmer, denn die Tür ließ sich auch von außen nicht öffnen und so hebelte man kurzerhand die Tür aus. Komplett. Auf der Stelle im Erdboden versinken wäre eine sinnvolle Alternative gewesen. Tod umfallen auch.
Seitdem habe ich ein Problem mit Toilettentüren. Ich schließe sie nur ungern ab. Fast nie.
Bislang hat es mir nie Probleme bereitet und irgendwie kam ich so durchs Leben. Bis heute mein neuer Chef auch mal auf Toilette musste.
Ich glaube, morgen schließe ich wieder ab. Ja.