Sie lag auf dem Bett. Ihre Hände zitterten. Mit der linken Hand versuchte sie ihre rechte Hand zu beruhigen. Ihre Augen waren geschlossen. Ihr Mund leicht geöffnet. Mit jedem Atemzug sah man wie schwer er ihr fiel. Lautes einatmen und zögerliches ausatmen durchbrachen die Stille des Raumes. Ihr Herz schlug schnell. Zu schnell. Ein junger Mann saß hinter ihr, zog sie zu sich. " Liebling, du musst atmen...ruhig atmen.." Ihr Körper zitterte und eine innerliche Panik schüttelte sie. Sie konnte nicht reden. Zu anstrengend.Viel zu anstrengend wäre jedes Worte gewesen. So lag sie nur da. Rang nach Luft. Zitternd. Panisch. Erschöpft. Müde. So Müde.Ihre Gedanken rasten. Ersticken ist sicherlich kein schöner Tod. Und ihre Mutter- was würde ihre Mutter dazu sagen? Ihr Freund- würde ihr Freund es aushalten und wer würde ihre Balkonblumen gießen? Wer backt denn nun den
Mürbteigboden und wer bekommt ihre ganzen
Shirts? Und erst die Turnschuhe? Wird es noch lange dauern? Und was ist wenn sie einfach tapfer weiter atmet?Wer atmet kann nicht sterben. Logisch. Das fand sie selbst in ihrer misslichen Lage und holte tief Luft.
" Ich bin bei dir. Du bist nicht allein. Halte durch." Er hielt ihre Hand. Tränen liefen über ihre Wangen. Sie wollte nicht weinen. Wirklich nicht. Eigentlich wollte sie atmen und stark sein. Ein wenig Heldin sein. So wie die im Fernsehen. Sailor Moon oder die rote Zora. Die hätten nach Luft geschnappt und Powerstrahlen losgeschickt. Aber sie hatte wohl keine Kontrolle mehr. Eigentlich wollte sie den jungen Mann beruhigen. Etwas liebes sagen, irgendwas, dass ihm die Angst und die Sorge nahm. Aber sie konnte nicht reden. Nur den Mund etwas öffnen. Wie ein Babykarpfen. Und ihn,nachdem sie rasselnd Luft schnappte, wieder schließen. Der junge Mann strich ihr die Haarsträhnen aus dem Gesicht und streichelte ihren Arm. Erzählte ihr leise Geschichten und liebevolle Sätze. Sie hörte jedes Wort. Jedes. Sie war nicht allein.
Auch als ihre Atmung aussetzte. Kurz. Für eine Sekunde. Zog er sie wieder hoch und näher an sich heran. Er hielt ihren Kopf. Beruhigte sie. Minute für Minute. "Mia, meine Mia. Du musst atmen. Ruhig atmen und durchhalten. Hörst du?"
Ja. Ich habe es gehört und tief Luft geholt- für uns zwei.
(Situation nach einer allergischen Reaktion. Danke, Nusskuchen.)